Klang & Kultur

Kern-Hintergrund warum man sich mit Lautsprechern auseinandersetzt, ist das Musikhören als solches. Während der echte Musikliebhaber in den 80er Jahren den klassischen Hifi-Turm mit großen Standlautsprechern hatte – gab es viele Kofferadios, Henkelmänner in heimischen vier Wänden. Der Musikfreund mit den großen Standlautsprecher von damals, fordert von einem Einbaulautsprecher das gleiche klanglichen Erlebnis. Der Besitzer von Kofferradios oder einer Microanlage hat demnach einen anderen Anspruch – der heute in vernetzte Funklautsprecher mündet. Die sind zwar ähnlich praktisch wie das Kofferradio, weil es beliebig „umgestellt“ werden kann ABER der Klang ist auch nicht besser als früher.
Der Siegeszug der CD war eine logische Entwicklung der Tonträger. Viel praktischer, klein, transportabel bis ins Auto – doch Moment es gab doch die Kassette? Ok – im jeden Fall praktischer in der Handhabung > ich muss ja nicht mehr spulen. Dann klingt die CD ja viel besser, weniger rauschen, kein knacksen usw… . Wenn schon digital gespeichert, warum nicht auf den Computer speichern? > dann noch weiter komprimieren bis zur MP3 Datei – einem kein physisch mehr vorhandenem Format. Nur noch die Größe des Speichers (früher das Plattenregal), setzt das Limit für die Menge an Musik. Das Gefühl nichts mehr in der Hand zu halten, sorgt im Moment für eine Renaissance von Vinyl Schallplatten > es ist wieder Hip.

Daher in Folge dieser kleine Erfahrungsbericht und wie ich dazu kam meinen Plattenspieler als Multiroom-Audio Quelle einzusetzen.

 

plattenspieler

Fakten zum Ohr und Musik-Hören:

  1. unsere Ohren können gut Töne und Geräusche orten – Diese Kriterium erlaubt eine Beurteilung von Räumlichkeit einer Musikwiedergabe
  2. unsere Ohren können spontan nur 10 Lautstärkestufen als Verdoppelung wahrnehmen -Dieser Fakt überhaupt erlaubt das Komprimieren von Musik (ohne hörbare Verluste)
  3. das abgespeicherte Klangmuster im Gehirn erlaubt nur subjektive Klangbeurteilungen – Jugendliche die mit einer Blutooth-Boom Box groß werden, sehen darin klangliche Standard

Nur ein Mythos > Vinyl klingt besser?

Was ist an der hartnäckigen Meinung dran, dass eine Schallplatte besser klingt als Digital aufgezeichnete Musik. Der wahrgenommene Klang lässt sich mit verschiedensten Worten und Attributen bezeichnen. Warm, homogen, lebendig, dynamisch, räumlich… Als kleine Auswahl positiv belegter Begriffe.

Als eine Person die guten Klang schätzt aber eher bequem ist, verschwand mein Plattendreher erstmal für lange Zeit im Speicher. Da ich kein Plattenspieler im soliden 4-stelligen Bereich besaß, viel die Pause nicht schwer. Doch die drei letzten Alben kaufte ich als Vinyl. Da alle drei je noch einen Download-Gutschein für die entsprechende MP3-Dateien besaßen fand ich das als gute Kombination. Die MP3 Datei auf dem Smartphone immer dabei und eine „Schallplatte“ als etwas Physisches, die ich irgendwann auch mal vererben kann.

Selbstversuch:

Zweit-Anlage im Büro aufgebaut, Plattenspieler wieder ausgestaubt, angeschlossen und mit der MP3 Datei verglichen. In diesen Fall das Album von alt-J – THIS IS ALL YOURS
– Instrumenten Positionierung und Klangfarben gleich
– Dynamik auch gleich
– Räumlichkeit > hier gab es einen Unterschied.
Jeder Toningenieur der Masterring macht wird sagen, klar Aufgrund der schlechteren Eigenschaft von Vinyl. Tiefe Töne unterhalb von 300Hz dürfen nicht ganz nach links und parallel nach ganz rechts gepresst werden. Nein was ich meine zu hören, war ein allgemeiner Unterschied. Bei alt-J klang die Vinyl wie eine „Live-Aufnahme“ > die Rauminformation war hörbar. Im Rauschanteil sind sehr viele Rauminformationen enthalten. Diesen Effekt merkte ich bereits schon mal bei der Gold-Master CD von Dark Side Of The Moon – Pink Floyd. Die klang irgendwie Perfekt, aber auch wirklich langweilig (nicht die Musik als solches). Das Rauschen, das bei MP3s immer weg komprimiert wird, hat scheinbar doch mehr Rauminformationen als es vielleicht vermuten läst.

Fazit:

Vinyl kann Livehaftiger (Ehrlicher klingen). Der Plattenspieler bleibt angeschlossen – wird aber in Kürze gegen einen Besseren getauscht. Wenn Zeit ist zum Bewussten Musikhören > dann über Vinyl. Unterwegs oder in der Küche und Bad ist MP3 schon Okay.